Tag 5 – Nebel über dem Kanal Rhône-Rhein
Am fünften Tag meiner Radtour war ich beim Einpacken noch ganz bei den Gedanken des gestrigen Abends. Die Einladung auf das Grundstück des Franzosen, das gemeinsame Bier, das Essen – eine dieser Begegnungen, die eine Reise besonders machen.

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Unweigerlich stellte sich die Frage:
Werde ich auf dieser Tour noch mehr solcher Einladungen erleben?
Ich werde es sehen.
Mit diesem Gedanken machte ich mich wieder auf den Weg. Hinter Heidwiller erreichte ich erneut den Canal du Rhône au Rhin. Über dem Wasser lag noch dichter Nebel, die Stimmung war ruhig und fast mystisch. Es war einer dieser Morgen, an denen man spürt, dass man genau richtig unterwegs ist. Langsam kam auch die Sonne durch, und der Tag gewann an Klarheit.
Schleusen, Boote und ruhige Wege
An der Schleuse bei Retzwiller (Ritterallmed) legte ich einen kurzen Stopp ein, um ein paar Fotos zu machen. Der Radweg entlang des Kanals war hervorragend zu fahren – flach, gut ausgebaut und angenehm ruhig.

Hinter Montreux-Jeune lagen mehrere Boote am Ufer vertäut. Zum ersten Mal auf dieser Reise konnte ich beobachten, wie ein größeres Boot eine Schleuse passierte – ein langsamer, beinahe entschleunigender Vorgang, der gut zur Atmosphäre des Tages passte.
Bei Bourgogne wechselte ich über eine Brücke die Kanalseite und setzte meine Fahrt auf der anderen Uferseite fort. Die Strecke führte weiter durch Étupes und Montbéliard, bevor ich schließlich den Kanal verließ und der Le Doubs folgte.
Auf der Suche nach einem Platz für die Nacht
Langsam neigte sich der Tag dem Ende zu. Wie so oft kam am Nachmittag die Frage auf:
Wo werde ich heute mein Zelt aufschlagen?
Entlang des Doubs gestaltete sich die Suche nicht ganz einfach. Nicht überall gibt es geeignete Plätze, und man muss aufmerksam durch die Landschaft fahren. Schließlich wurde ich hinter Hérimoncourt–Magny fündig: ein Rastplatz direkt am Fluss, mit Bänken – genau richtig für diese Nacht.

Zelt aufbauen, etwas essen, die Ruhe am Wasser genießen.
Ein weiterer guter Tag auf dem Weg nach Westen geht zu Ende.
Tag 6 – Durch das Tal des Doubs nach Dole
Auch an diesem Morgen hieß es wieder: früh raus aus dem Zelt. Die Kulisse an der Le Doubs war beeindruckend – ruhiges Wasser, weiches Morgenlicht und diese besondere Stille, die man nur draußen erlebt.

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Die Fahrt führte weiter Richtung Besançon, durch ein wunderschönes Flusstal. Immer wieder tauchten markante Felsformationen auf, die sich über dem Tal erhoben. Genau solche Abschnitte sind es, die eine Radreise besonders machen – abwechslungsreich, landschaftlich stark und gleichzeitig angenehm zu fahren.
Deluz – Fluss, Kanal und Weitblick
In Deluz überquerte ich eine Brücke und hatte einen herrlichen Blick auf den Ort, die Doubs und den Kanal Rhône-Rhein, der hier parallel zum Fluss verläuft. Diese Kombination aus Natur und Ingenieurskunst ist beeindruckend – zwei Wasserwege nebeneinander, eingebettet in ein enges Tal.

Kurz vor Besançon führte der Radweg durch einen Tunnel. Die Doubs beschreibt hier eine große Schleife um die Stadt, sodass ich Besançon selbst nicht richtig durchquert habe. Ein kurzer, dunkler Abschnitt – und dann war ich schon wieder draußen im Licht.
Begegnungen auf dem Wasser
Auf meiner Weiterfahrt holte ich zum ersten Mal ein Boot ein, das gemütlich auf dem Kanal unterwegs war. Eine kleine, aber besondere Begegnung. Man fährt nebeneinander her – der eine auf dem Rad, der andere auf dem Wasser – beide mit Ziel, aber ohne Eile.
Immer wieder lagen größere Boote am Ufer vor Anker. Die Flusslandschaft wirkte weit, ruhig und fast majestätisch.

Bei Rochefort-sur-Nenon passierte ich eine besonders beeindruckende Felsformation. Solche Momente brennen sich ein. Man hält vielleicht nicht lange an – aber das Bild bleibt.
Der schönste Abschnitt vor Dole
Richtung Dole führte der Weg wieder direkt am Kanal entlang. Kurz vor der Stadt kam wohl das schönste Teilstück des Tages: dichter, alter Baumbestand, ein perfekt ausgebauter Radweg, Schatten und Licht im Wechsel.

Das war einer dieser Tage, an denen man merkt:
Genau dafür bin ich unterwegs.
Meine Begeisterung war groß – solche Radwege machen einfach Freude.
Dole – und wieder die Suche nach einem Platz
Der erste Eindruck von Dole war beeindruckend. Ich fuhr noch ein Stück in die Stadt hinein, bevor ich meine Fahrt fortsetzte. Doch bald stellte sich wieder die tägliche Frage:
Wo finde ich heute einen Platz für die Nacht?
Die Ortschaften lagen hier dicht beieinander – das macht wildes Zelten nicht einfacher. Mit dem Gedanken „Hoffe, ich finde etwas“ ließ ich Dole hinter mir.
Bei der kleinen Ortschaft Choisey bot sich die Möglichkeit, auf der anderen Seite des Kanals einen Platz zu suchen. Ich überquerte die Brücke und fuhr ein Stück zurück. Schließlich entschied ich mich für einen überwucherten Weg direkt am Kanal. Nicht perfekt – aber machbar.
Ich achte immer darauf, dass mein Zelt nicht direkt sichtbar oder stark frequentiert steht. Hier konnte höchstens jemand mit Hund vorbeikommen. Genau das passierte auch – doch es störte niemanden, dass ich dort war.

Unwillkürlich dachte ich:
In Deutschland hätte ich mir vermutlich etwas anhören müssen.
Meine Erfahrung ist, dass es in anderen Ländern oft deutlich entspannter gesehen wird.
So ging ein weiterer Tag zu Ende – voller Eindrücke, voller Landschaft und mit dem guten Gefühl, unterwegs zu sein.
Tag 7 – Vertraute Wege und eine warme Dusche
Der Platz für diese Nacht war schon ein wenig verrückt gewesen. Versteckt, überwuchert, nicht gerade komfortabel – aber er hat seinen Zweck erfüllt. Und genau das zählt unterwegs.
Am Morgen zeigte sich alles von seiner schönsten Seite. Die Sonne kam ruhig über den Canal du Rhône au Rhin, und aus dem Schilf hörte ich die Frösche. Dieses leise Naturkonzert am Wasser – da wusste ich: Das wird ein guter Tag.

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Ein kleines Stück musste ich das Rad noch schieben, dann war ich wieder auf dem EuroVelo 6. Zurück im Rhythmus. Zurück auf Kurs Richtung Westen.
Richtung Saône – zurück auf bekannte Strecke
Die Fahrt führte erneut durch traumhafte Flusslandschaften, langsam näherte ich mich der Saône. Hier endet wieder ein Abschnitt – und gleichzeitig beginnt ein neuer.
Ab hier wurde es für mich besonders: Diese Strecke bin ich schon einmal gefahren, auf meinem Weg nach Spanien. Orte wie Losne tauchten wieder auf, aber diesmal im Rahmen einer viel größeren Reise.

Das ist ein besonderes Gefühl – bekannte Wege, aber ein neuer Kontext. Man fährt nicht nur durch Landschaft, sondern auch durch die eigene Reisegeschichte.
Nicht immer direkt am Wasser
Der Radweg folgt natürlich nicht durchgehend dem Fluss. Immer wieder ging es ein Stück über Landstraßen oder durch kleine Ortschaften. Und genau das hat seinen eigenen Reiz: Dorfplätze, alte Häuser, kurze Begegnungen, ein anderer Rhythmus als direkt am Wasser.

Radreisen bestehen nicht nur aus perfekten Uferwegen – sondern aus diesem Wechsel.
Ziel: Gergy – und ein Hauch von Luxus
Ich fuhr weiter in Richtung Gergy, zu einem Campingplatz, den ich bereits von meiner früheren Tour kannte. Es ist ein gutes Gefühl, einen Ort wiederzusehen – man weiß, was einen erwartet.
Nach mehreren Tagen Wildcamping war das fast schon Luxus:
Duschen. Strom. Ein offiziell erlaubter Stellplatz.

Man vergisst schnell, wie wohltuend eine warme Dusche sein kann, wenn man einige Tage draußen unterwegs war. Dieser kleine Komfort fühlte sich fast wie ein Etappensieg an.
Tag 8 – Hitze, Schleusen und eine unerwartete Begegnung
Ein neuer Tag – der achte auf meinem Weg zum Atlantik.
Es ist doch ein anderes Gefühl, auf einem Campingplatz übernachtet zu haben. Nach den letzten Tagen im Zelt irgendwo am Kanal fühlt sich eine Dusche und etwas Infrastruktur fast wie Luxus an. Mit einem neuen Körpergefühl konnte die Tour weitergehen.

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Abschied von der Saône
Zunächst folgte ich noch ein Stück der Saône, bevor ich mich von ihr verabschiedete und wieder konsequent dem EuroVelo 6 Richtung Westen folgte.
Die Strecke führte über Land, vorbei an Crissey, bis ich auf den Canal du Centre traf. Ein neuer Kanal, neue Eindrücke – aber der vertraute Rhythmus blieb: treten, schauen, staunen.

Immer wieder lagen Boote am Ufer vor Anker. Teilweise war so wenig Wasser im Kanal, dass einige Boote fast auf dem Sand auflagen. Ein ungewohntes Bild – und ein Zeichen dafür, wie trocken es war.
Stetig bergauf – Schleuse für Schleuse
In Richtung Chagny ging es dann stetig bergauf. Kein richtiger Berg – aber ein kontinuierlicher Anstieg. Eine Schleuse folgte der nächsten, um den Höhenunterschied im Kanal zu überwinden.
Bei der Hitze war das anstrengend.
Es kostete Kraft – und Zeit.
Ich musste immer wieder Pausen einlegen. Schatten suchen. Wasser trinken. Durchatmen.
So zog sich der Tag langsam dahin.
Montceau-les-Mines – Pause am Wasser
Schließlich erreichte ich Montceau-les-Mines. Eine schöne Durchfahrt entlang des Kanals, viele Boote, viel Leben. Ich nutzte die Gelegenheit für eine längere Pause – einfach mal sitzen und regenerieren.

Hier habe ich auch noch eingekauft, um für den Abend versorgt zu sein. Mit vollen Taschen setzte ich die Fahrt Richtung Ciry-le-Noble fort.

Langsam wurde es Zeit, nach einem Platz für die Nacht zu suchen.
Ein Platz am Kanal – und Gesellschaft
Hinter dem Ort entdeckte ich auf der anderen Kanalseite einen Platz, der wie ein kleiner Wohnmobilstellplatz aussah. Genau das Richtige für diese Nacht.
Ich fuhr noch bis zur nächsten Brücke, wechselte die Seite und ein Stück zurück – und entschied: Hier bleibe ich.
Kurz darauf kam ein jüngeres Paar mit ihren Fahrrädern an. Auch sie hatten offenbar denselben Plan. Es stellte sich heraus, dass sie ebenfalls aus Deutschland kommen.

Und so gab es wieder Gesprächsstoff.
Nach einem heißen, anstrengenden Tag tat ein wenig Austausch gut.
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