Töddenweg – Etappe 4: Von Hopsten nach Rheine
Unterwegs im Herzen der Töddenzeit
Die vierte Etappe auf dem Töddenweg beginnt in Hopsten, einem Ort, der wie kaum ein anderer mit der Geschichte der Tödden verbunden ist. Nicht umsonst wird Hopsten bis heute als Töddendorf bezeichnet. Diese Etappe ist weniger von naturnahen Pfaden geprägt, dafür umso stärker von Geschichte, Erinnerung und dem Erbe einer außergewöhnlichen Zeit.

Hopsten – ein Dorf der Tödden
Hopsten entwickelte sich nach dem Dreißigjährigen Krieg zu einem bedeutenden Zentrum des Töddenhandels. Die Tödden waren Wanderkaufleute und Hausierer, die sich aus den sogenannten Hollandgängern entwickelten. Anfangs boten sie ihre Waren vor allem in den Niederlanden an, später auch in den nordischen und baltischen Ländern.

Ihre Blütezeit erlebte der Töddenhandel im 18. Jahrhundert. Der wirtschaftliche Erfolg brachte den Heimatgemeinden einen beachtlichen Wohlstand – sichtbar bis heute. In Hopsten zeugen davon die Töddenhäuser mit ihren oft aufwendig gestalteten Giebeln, zahlreiche Bildstöcke, Denkmäler in allen sechs Bauerschaften, die barocke Pfarrkirche und die Annakapelle auf den Breischen.
Besonders bekannt unter den Töddenhäusern ist das Haus Nieland, ein eindrucksvolles Beispiel für den Wohlstand, den der Handel in das Dorf brachte.

Um 1750 lebten in Hopsten rund 2000 Einwohner. Im damaligen Einwohnerverzeichnis sind über 200 Personen als „reiset“ eingetragen – Menschen, die ihren Lebensunterhalt durch Handel auf Reisen verdienten. Eine erstaunlich hohe Zahl, die zeigt, wie prägend der Töddenhandel für den Ort war.
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Politische Veränderungen und historische Einordnung
Im Jahr 1803 wurde Hopsten dem Königreich Preußen angeschlossen. Nach der napoleonischen Herrschaft kehrte der Ort 1816 mit der Gründung des Kreises Tecklenburg nach mehr als 400 Jahren wieder in das Tecklenburger Land zurück. Diese wechselvolle Geschichte spiegelt sich bis heute im Ortsbild und im Selbstverständnis der Region wider.
Die Wallfahrtskapelle St. Anna – Glaube und Töddenzeit
Ein zentraler Ort der Töddengeschichte ist die Wallfahrtskapelle St. Anna in Hopsten. Sie wurde 1694 erbaut und im Laufe der Zeit mehrfach erweitert, da der Zustrom der Pilger immer größer wurde.
Die Initiative zum Bau der Kapelle geht auf die Tödden Johann und Dietrich Teeken zurück. Auf einer Handelsreise gerieten sie bei einer Schiffsfahrt in ein schweres Unwetter. In ihrer Not schworen sie, eine Kapelle zu Ehren der Heiligen Mutter Anna zu errichten, sollten sie das Unglück überleben.

Die dazugehörige Figur der Hl. Mutter Anna hat selbst eine besondere Geschichte: Sie wurde 1677 beim Fällen einer Eiche an der heutigen Stelle der Kapelle entdeckt und aus dem Baum gehauen. Über Jahre soll die Figur auf dem Dachboden eines benachbarten Bauern gelegen haben. Einer Überlieferung zufolge wurde bei einer Feier Unfug mit der Figur getrieben, als plötzlich alle Fenster des Hauses zerbrachen – ein Ereignis, das als Zeichen gedeutet wurde und zur Verehrung der Figur beitrug.
Von Hopsten Richtung Dreierwalde – unerwartet asphaltlastig
Von Hopsten aus führt die vierte Etappe weiter in Richtung Dreierwalde. Was ich so nicht erwartet hatte: Diese Etappe verläuft fast ausschließlich über asphaltierte Wirtschaftswege. Historisch betrachtet ist das durchaus stimmig, denn auch die Tödden nutzten vor allem gut ausgebaute Wege zwischen den Orten.

Wandererisch ist das fordernd, vor allem auf längeren Distanzen. Gleichzeitig lässt es viel Raum für Gedanken und für die bewusste Auseinandersetzung mit der Geschichte des Weges.
Dreierwalde und der Burrichterhof
In Dreierwalde stößt man auf einen wichtigen historischen Ort: den Burrichterhof. Er gilt als Urhof von Dreierwalde und ist heute eine eindrucksvoll restaurierte, denkmalgeschützte Hofanlage.

Der Burrichterhof steht exemplarisch für die bäuerlichen Strukturen der Region, aus denen viele Tödden hervorgingen. Über diesen Hof kehrt der Wanderer sinnbildlich immer wieder zum Ursprung zurück – zur Verbindung von Landwirtschaft, Handel und Mobilität.
Die Altenrheiner Kapelle – Stille am Stadtberg
Kurz vor Rheine liegt die Altenrheiner Kapelle, verborgen unter Linden am Ostabhang des Stadtberges. Auch sie gehört traditionell zur Altenrheiner Bauerschaft.
Architektonisch zeigt die Kapelle den Übergang von der Renaissance zum Barock. Fenster und Eingang sind rundbogig gestaltet. Über dem Eingang findet sich die Inschrift:

Ein stiller Ort, der zum Innehalten einlädt und einen würdigen Abschluss der historischen Wegabschnitte dieser Etappe bildet.
Ankunft in Rheine nach 29 Kilometern
Nach 29 Kilometern erreichte ich schließlich Rheine. Die Länge der Etappe und die vielen asphaltierten Abschnitte waren spürbar. Dennoch war diese Etappe eine der geschichtlich dichtesten auf dem Töddenweg – weniger landschaftlich spektakulär, dafür reich an kulturellem Erbe.

Fazit: Eine Etappe für Geschichtsinteressierte
Die vierte Etappe des Töddenwegs von Hopsten nach Rheine ist keine klassische Genusswanderung, aber eine historisch außerordentlich wertvolle Strecke. Wer sich für die Geschichte der Tödden, für religiöse Zeugnisse dieser Zeit und für die Entwicklung des Handels im nördlichen Münsterland interessiert, findet hier einen besonders eindrucksvollen Abschnitt.
Hopsten als Töddendorf, die Annakapelle, Dreierwalde mit dem Burrichterhof und die Altenrheiner Kapelle machen diese Etappe zu einer Wanderung durch mehrere Jahrhunderte Geschichte – Schritt für Schritt auf den Spuren der Wanderkaufleute.
Schau dir auch den Bericht von der Etappe 3 an
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